6. Tag auf dem Kungsleden, 113/440km

Heute ist der 6. Tag meiner Wanderung, seit gestern Abend bin ich wieder näher an der Zivilisation und habe Empfang.

Am 8. Juli, Tag 1, bin ich am späten Vormittag in Kiruna gelandet. Um nicht einen halben Tag auf den Zug oder Bus nach Abisko zu warten, habe ich mir mit anderen Reisenden ein Taxi geteilt und bin so um 13h in Abisko am Startpunkt des Kungsleden losgelaufen.
Die 15km für den Tag liefen gut. Bei leichtem Nieselregen kam ich zur Hütte Abiskojaure. Die meisten der Hütten auf den ersten 80km des Kungsleden sind ähnlich gut ausgestattet... Einer oder mehrere Gemeinschaftsräume mit Kochmöglichkeiten, Schlafräume mit 4-10 Betten. Es gibt keinen Strom und kein fliessendes Wasser. Wasser wird aus den nahen Flüssen geholt und ungefiltert genutzt. Es gibt Kerzen als Lichtquelle - allerdings gibt es ja aktuell 24h Tageslicht so hoch im Norden.
Fast jede Hütte hat eine mit Holz befeuerte Sauna. Danach springt man in den eiskalten Fluss oder See. Das wirkte bei mir bisher jedes Mal - die Beine sind wie neu.

Am Tag 2 ging es gute 20km zur Hütte Alesjaure bei tollem Wetter. Typisch für den Kungsleden sind die Holzplanken, auf denen man einen Teil der matschigen oder überfluteten Abschnitte überqueren kann.

Tag 3 war mit die größte Herausforderung. Es ging über den Tjäkta Pass bis zur Sälka Hütte. Von den 25km waren gute 7km über ein langes Schneefeld zu bewältigen... Dieses war so weit geschmolzen, dass man bei jedem Schritt drohte einzubrechen. Und unter der Schneedecke konnte man bis zum Knie im Eiswasser stecken. Für diese Strecke habe ich mich einem schwedischen Paar angeschlossen - damit ich nicht allein steckenbleibe. Oben auf dem Pass haben sich dann 6 Wanderer in der Schutzhütte aufgewärmt und Mittag gegessen. Der Abstieg und weitere Weg zur Sälka Hütte war dann von starkem Regen begleitet... Das war der Moment, an dem ich das Bringen von Regenschutz inkl Regenhose nicht bereut habe...

Am 4. Tag war wieder schönes Wetter. Trotzdem zogen sich die 26km bis zur Hütte Kaitumjaure ziemlich hin. Man passiert auf dem Weg Singi. An dieser Stelle biegen die meisten Wanderer nach Osten Richtung Kebnekaise ab. Für mich ging es weiter nach Süden und damit hiess es Abschied nehmen von den meisten bekannten Gesichtern. Bisher hatte ich nur George aus Colorado getroffen, der ebenfalls den gesamten nördlichen Kungsleden vor sich hatte.

Am 5. Tag sind wir dann auch zusammen Richtung Vakkotavare aufgebrochen... Obwohl unklar war, wie es mit dem Boot klappen würde, das wir nach 9km von Teusajaure aus nehmen mussten. Man kann die 1km Überquerung per Ruderboot machen (muss aber ggf. 3 mal rudern) oder das Motorboot nehmen, das nur um 7h und 16h fahren sollte. Wir kamen allerdings gegen 1230h an und kurze Zeit später ein Pärchen aus Chile. Mit 4 Leuten gab es eine extra Bootsfahrt! Riesenglück! George kehrte jetzt allerdings um, da er seine Sonnenbrille in Kaitumjaure vergessen hatte. Ich bin über den See und die dann verbleibenden 16km zur Hütte Vakkotavare gelaufen.

Heute am 6. Tag ist relaxen angesagt... Die vielen langen Tage mit mehr als 20km verlangten einen Tag Pause. Ich bin vormittags mit dem Bus 30km nach Kebnats gefahren. Der Kungsleden ist hier unterbrochen und geht ab Saltoluokta weiter. Von Kebnats fährt dann eine kleine Fähre rüber nach Saltoluokta, wo es eine gut ausgestattete STF Bergstation gibt. Zimmer, Shop, Sauna und sogar ein Restaurant mit WiFi!

Morgen geht es mit 20km weiter Richtung Sitojaure. Hoffentlich stimmt die Wettervorhersage (Dauerregen) nicht... ;-)

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